26.07.2018



Karriere In Rodenkirchen



Von der Arzthelferin zur Rektorin



von Henning Bielefeld







Anja Bode ist neue Leiterin der Oberschule Rodenkirchen. Ab dem 1. August ist die 53-Jährige für rund 330 Schülerinnen und Schüler zuständig.

Bild: Henning Bielefeld



Die 53-jährige Anja Bode übernimmt am 1. August die Leitung der Oberschule Rodenkirchen. Dabei sah ihr beruflicher Weg erst ganz anders aus.



Rodenkirchen Geduld, Ruhe und absolute Höflichkeit. Das sind Tugenden, die Anja Bode ungemein schätzt. Gelernt hat sie diese Tugenden als Arzthelferin. „Ich war diejenige, die die Kinder impfen musste“, erzählt sie. Arzthelferin ist Anja Bode schon lange nicht mehr, aber mit Kindern und Jugendlichen hat sie immer noch viel zu tun: Am 1. August übernimmt die 53-Jährige die Leitung der Oberschule Rodenkirchen. 

Seit der ersten Woche der Sommerferien wohnt sie auch in Rodenkirchen, ihre Mutter ist schon in den Osterferien hierhergezogen. „Die Möbel stehen, aber es hängen noch nicht alle Lampen, und einige Kartons habe ich noch nicht ausgepackt“, sagt Anja Bode.

Zuerst die Kinder

Zeit, kurz durchzuatmen und auf ein Leben mit einigen überraschenden Wendungen zurückzublicken. Geboren ist sie in Hildesheim, aufgewachsen in der Kleinstadt Bad Salzdetfurth. Mit 18 heiratete sie ihren Mann, der 14 Jahre älter war als sie, mit 19 bestand sie die Abiturprüfung. Sie wollte ihre Kinder früh bekommen, verzichtete deshalb zunächst auf ein Studium und wurde Arzthelferin.

„Mein Chef wollte immer, dass ich Medizin studiere“, erinnert sich Anja Bode. Als sie 33 war, erkrankte ihr Mann, und sie musste sich überlegen, wie sie ihre Familie ernähren wollte. Die Tochter war damals 13, der Sohn 11. Der Berufsberater empfahl ihr ein Studium. Medizin dauerte ihr zu lang, deshalb entschied sie sich fürs Lehramt.

Nach sechs Jahren Studium startete sie 2005 ihr Referendariat an der Hauptschule in Alfeld – eine Erfahrung, an die sie sich gern erinnert. Anschließend war sie an der Kooperativen Gesamtschule Schwarmstedt nördlich von Hannover tätig – und danach leitete sie den Realschulzweig der Albert-Einstein-Schule, einer KGS in der Stadt Laatzen südlich von Hannover. Sie war für 600 der insgesamt 1600 Schüler der KGS zuständig. Ihr Mann starb vor vier Jahren.

Liebe zur Nordsee

„Ich habe mir diese Schule ganz bewusst ausgesucht“, betont die Lehrerin für Deutsch und Biologie. Ein Grund ist ihre Liebe zur Nordsee, an der sie schon oft Urlaub gemacht hat. Ein anderer Grund ist, dass Rodenkirchen eine Leuchtturmschule ist, die auch Schüler aufnimmt, die anderswo keine Chance mehr bekommen. „Die Oberschule ist im Ort gut verankert“, sagt die neue Chefin. „Das will ich pflegen und ausbauen.“

Hier, sagt sie, könne sie mit den Eltern sprechen, wenn sie diese beim Bäcker treffe. In Laatzen, einem sozialen Brennpunkt, sei das nicht möglich gewesen. „Der Kontakt ist mir wichtig“, betont die ausgebildete Schulmediatorin. Am wichtigsten sei es aber für sie, eine Beziehung zu den Schülern aufzubauen.

Dabei will sie sich besonders um die Schwächeren kümmern. „Die Kinder nehmen das wahr und sind sehr dankbar dafür“, sagt Anja Bode. Zudem seien schwächere oft auch die ehrlicheren Schüler: „Die sagen zu mir: Ihr Unterricht war langweilig.“

Die es besser können, sollen aber nicht vernachlässigt werden: „Wenn wir es richtig machen, ziehen die Guten die anderen mit.“

Zunächst bittet sie die Menschen in ihrer neuen Umgebung aber um Geduld: „Ich werde ein Jahr brauchen, um alles kennenzulernen. Dabei werde ich sicher auch in das eine oder andere Fettnäpfchen treten, aber ich werde versuchen, jeden Fehler nur einmal zu machen.“

Wenn sie sicher im Sattel sitzt, möchte sich Anja Bode in Rodenkirchen auch ehrenamtlich engagieren. „Das gehört sich so“, meint sie. In ihrem früheren Heimatdorf war sie vier Jahre lang Vorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes.