Nordwest-Zeitung 05.05.2018

Schüler gut vorbereitet auf Dragos Pancescu

Rolf Bultmann
Dragos Pancescu (mit schwarzer Jacke) diskutierte mit der Oberschülern.
Bild: Rolf Bultmann

Rodenkirchen Sich politisch zu interessieren und engagieren, dafür warb Grünen-Landtagsabgeordneter Dragos Pancescu aus Brake am Freitagmorgen vor den Schülern der Klasse 10b der Oberschule. Er riet ihnen jedoch, nicht den Weg des Berufspolitikers einzuschlagen, sondern zunächst eine berufliche Ausbildung zu absolvieren, damit sie auch beim Verlust eines Mandats eine Familie ernähren können.

Gut zwei Unterrichtsstunden stellte sich Dragos Pancescu, der Sprecher für Verbraucherschutz sowie für Bundes- und Europaangelegenheiten der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist, den Fragen der von den Lehrern Henning Reimers und Klaus Kretzschmar betreuten Schüler. Dass die gut informiert waren und sich intensiv auf das Gespräch vorbereitet hatten, fand dann auch ein dickes Lob vom 50-jährigen Landes- und Kommunalpolitiker.

Auf dem „Unterrichtsplan“ stand zwar die Europapolitik, jedoch nutzt die Zehntklässler die Gelegenheit, den Gast auch nach andere Themen zu befragen. Dass die Atommeiler vor den Kohlekraftwerken abgeschaltet werden, findet wegen den von der Nuklearenergie ausgehenden größeren Gefahren die Zustimmung von Dragos Pancescu. Bei der Umsetzung der von Kanzlerin Angela Merkel nach dem Unglück in Fukushima 2011 entschiedenen Sofortstilllegung anstelle des geregelten Atomausstiegs seien jedoch Fehler gemacht worden.

„Die Endlagerung der Atomabfälle auch aus dem Kernkraftwerk Unterweser in Kleinensiel ist ein gesellschaftliches Problem. Wir stehen vor Herausforderungen, die so schnell nicht zu lösen sein werden“, machte der Politiker deutlich, der seit 2017 dem Landtag angehört.

Viele Ungewissheiten sieht Dragos Pancescu auch durch den britischen Brexit auf Deutschland, Niedersachsen und sogar die Wesermarsch zukommen. Dabei gehe es nicht nur um die künftige Finanzierung der Europäischen Union, sondern auch um Verordnungen, Zertifizierungen und andere Regelungen, an die sich die Briten nun nicht mehr halten müssen. Ein Fischerei-Verbot in britischen Hoheitsgewässern würde auch Betriebe in der Wesermarsch treffen, nannte der 50-Jährige ein Beispiel. Er hatte erst am Donnerstag an einer Anhörung zu den Brexit-Auswirkungen mit Vertretern von Fachverbänden in Hannover teilgenommen.

Elektro-Fahrzeuge bezeichnete Pancescu als eine Brückentechnologie, die in 10 bis 15 Jahren durch andere Entwicklungen abgelöst werden könnten. Einen baldigen Beitritt der Türkei zur EU hält er für nicht möglich. Die Politik von Erdogan spreche dagegen. Nach den von Donald Trump angekündigten Strafzöllen befragt, wies der Grüne darauf hin, dass bei Trump nur die Unbeständigkeit beständig sei. Zudem sei Amerika nicht allein auf der Welt. „Es ist immer besser, sich miteinander zu einigen“, sagte Dragos Pancescu.