NWZ 13.3.2019



Warum Emin aus Montenegro glücklich ist



von Henning Bielefeld







Stefan Wefer (hinten) und Anja Bode (rechts) überreichten die Zertifikate an (hinten, v.l.) Albena und Ginka Mihaylova, Diar Aziz, Emin und Emina Martinovic, Ani und Ashot Poghosyan sowie (unten, v.l.) Sinar Aziz, Zeinab Dib und Dzhemre Shentzyurk.
Bild: Henning Bielefeld




Rodenkirchen  -  Emin Martinovic ist glücklich. Der Neuntklässler der Oberschule Rodenkirchen hat bei Elektro Schneider einen Ausbildungsplatz bekommen. Dabei dürfte dem 15-Jährigen, der aus der kleinen Balkanrepublik Montenegro stammt, der Sprachförderunterricht an seiner Schule erheblich geholfen haben.



14 Teilnehmer
 
Zusammen mit 13 anderen Schülern aller Alters- und Niveaustufen hatte er jeden Nachmittag zwei Stunden lang Deutsch gelernt. Mit Erfolg: Am Dienstagvormittag erhielt er zusammen mit 9 Mitschülern sein Sprachzertifikat. Emin hat dabei, genau wie seine 17-jährige Schwester Emina, die an einer Schule höchstmögliche Stufe B2 erhalten, die gehobenes Sprach- und Schulwissen auf Realschulniveau attestiert.
 
Ihr Sprachförderlehrer Stefan Wefer – er ist Mitarbeiter der Kreisvolkshochschule Wesermarsch – händigte den zehn Schülern, die die Prüfung bestanden hatten, die Zertifikate aus. Zwei weitere Schüler erfüllen das Anfänger-Niveau A1, sechs das Grundschul-Niveau A2, vier haben nicht bestanden. Sie können weitermachen, denn Stefan Wefer bietet fortlaufend jeweils einen weiteren halbjährlichen Kursus an, der wieder mit einer Prüfung endet.
 
Als Emin Martinovic und seine Schwester vor dreieinhalb Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland kamen, sprachen sie nur Serbisch sowie etwas Russisch und Englisch – was sie eben an ihrer Schule gelernt hatten. Damit standen sie immer noch besser da als die meisten neuen Oberschüler aus der Türkei, dem Irak und Syrien, die kriegsbedingt oft gar keine Schule besucht hatten.




Bessere Integration
 
Gemeinsam eigneten sie sich die deutsche Sprache an, langsam besser werdend, nie ohne Rückschläge. Vormittags gingen sie ganz normal in ihre Klassen. Sprachlernklassen gab es an der Oberschule nur zu Anfang der Flüchtlingswelle, als jeder siebte Schüler unfreiwillig sein Heimatland verlassen hatte. Angesichts der gesunkenen Zahl von Einwanderern gibt es jetzt nur noch die Kurse, und das ist für die Integration auch besser, sagt die Schulleiterin Anja Bode, die an alle Absolventen kleine Bärchen als Maskottchen verteilt.
 
Emina Martinovic hat auch das B2-Niveau bestanden, anders als ihr jüngerer Bruder aber noch keinen Ausbildungsplatz gefunden, obwohl die Zehntklässlerin intensiv sucht. Die Rodenkircherin will in der Gesundheitswirtschaft tätig werden und bereitet sich durch eine Mitgliedschaft bei den Stadlander Johannitern darauf vor. Sie gehört sowohl der Jugendgruppe als auch dem Musikzug an. Außerdem spielt die offene und kontaktfreudige junge Frau, die viele Freunde gefunden hat, Handball. Anja Bode sagt über die Schülerin, sie habe das Potenzial, auch ihre Schullaufbahn fortzusetzen, wolle aber lieber praktisch arbeiten.
 
Die Prüfung hat es gerade auf dem B2-Level in sich, erläutert Stefan Wefer. Sie dauert fünf Stunden mit einigen Pausen. Die Geschwister Martinovic mussten etwa eine Diskussion wiedergeben oder einen komplexen Text schreiben. Und ihre nächste Prüfung steht unmittelbar bevor: die Abschlussarbeiten für die Oberschule.