6.4.2019



Diskussion In Rodenkirchen:

Chaos-Brexit trifft auch die Wesermarsch

von Rolf Bultmann







Unter der Leitung der Schüler Wiebke Schmidt, Mustafa Almustafa und Selina Urbanik stellte sich der niedersächsische Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler (von links) den Europa-Fragen der Neunt- und Zehntklässler der Oberschule
Bild: Rolf Bultmann



Schülerstreiks für das Klima hält der Minister für unangebracht. Er sprach mit Neunt- und Zehntklässlern.



Rodenkirchen Einen größeren Praxisanteil schon zu Beginn des Studiums wünscht sich Björn Thümler für die Lehrerausbildung. Dann könnten Absolventen frühzeitig erkennen, ob sie den richtige Beruf gewählt haben.

Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur stellte sich in einer „Politikstunde“ am frühen Freitagmorgen den Fragen der Schüler der 9. und 10. Klassen der Oberschule. Die hatten sich auf den Besuch gut vorbereitet, in dessen Mittelpunkt Europa-Themen standen.
Dass der Ausstieg aus der Europäischen Union der falsche Weg sei, hätten mittlerweile auch die meisten Briten erkannt, erläuterte der Christdemokrat aus Berne. Viele Briten verstünden ihre eigenen Politiker nicht mehr. Björn Thümler befürchtet, dass „ein chaotisches Etwas“ als Ergebnis herauskommt.

Die Frage nach den Folgen für Deutschland konnte der Minister nicht eindeutig beantworten. So könnten durch einen ungeregeltenBrexit die deutschen Fischer, von denen einige in der Wesermarsch beheimatet sind, ihre Fanggründe in britischen Gewässern verlieren. Auch auf den Agrarbereich werde das Thema einen großen Einfluss gaben.



Ohne Uploadfilter

beschlossenen Kompromiss zum Urheberrecht. Bei dessen nationaler Umsetzung werde es nach den Vorstellungen der Sehr interessiert zeigten ich die Neunt- und Zehntklässler in der von den Schülern Wiebke Schmidt, Selina Urbanik und Mustafa Almustafa moderierten Zusammenkunft am von der EU CDU in Deutschland keine Uploadfilter geben, berichtete Björn Thümler. Inhalte sollten beim Hochladen nicht blockiert werden, sondern für die sollten die Autoren und Künstler fair bezahlt werden.

Der Vorschlag der CDU sieht eine Regelung über Lizenzen vor. Die sollen die Plattformen bei den Urhebern erwerben. Urheberrechtlich geschützte Werke sollen einen sogenannten „digitalen Fingerprint“ (Kennzeichnung des Urhebers) bekommen. Das gebe allen Beteiligten Rechtssicherheit und sorge für einen fairen Interessenausgleich zwischen Nutzern, Urhebern und Plattformen.

Er sei nicht gegen Elektromobilität, aber allein mit dieser Alternative werde man die Umwelt- und Klimaprobleme im Verkehr nicht lösen können, verdeutlichte Björn Thümler. Es müsse mehr in die Forschung investiert werden, damit Brennstoffzellen voran gebracht werden. Weil das Recyceln der neuen Batterien sehr aufwendig sei, werde es nicht gemacht. Über dieses Thema müsse man aber nachdenken. Das Land tue das mit einem Auftrag an das Fraunhofer-Institut mit dem Ziel, ein Batterie-Werk in Niedersachsen zu bekommen.

Schülerstreiks für das Klima hält Thümler nicht für angebracht. Er unterstütze den Einsatz der Schüler, doch der könne auch nachmittags erfolgen.



Nicht ohne Religion

Nicht zustimmen konnte Björn Thümler dem Vorschlag eines Schülers, in den Klassen 9 und 10 auf das Fach Religion zu verzichten und dafür Wirtschaft einzuführen, sowie sich mehr mit digitalen Techniken anstelle von Versmaß und anderen Themen im Deutschunterricht zu beschäftigen. Religionen und die Grammatikregeln seien schon sehr wichtig, aber in einer digitalen Welt müsse in der Schule auch das notwendige Know-how dafür vermittelt werden.

Um einem Lehrermangel vorzubeugen, sprach sich Björn Thümler für alle zwei Jahre fortzuschreibende Prognosen aus, die aufzeigen, wie viele Lehrer mit welchen Fächern gebraucht werden. Die letzte Prognose dieser Art, jedoch ohne die Fachrichtung, sei in Niedersachsen 2009 erstellt worden. Solche Prognosen sei für die Ausbildung und Einstellungen der Lehrer erforderlich.